Der Fundort Bat

Bat

Der Fundort Bat liegt in der Provinz Az-Zahira südlich des Al-Hajar-Gebirges, ca. 25 km östlich der modernen Stadt Ibri. Bat ist einer der bedeutendsten Fundorte der Frühen Bronzezeit im 3. Jahrtausend v. Chr. im Oman und gehört zusammen mit Al-Khutum und Al-Ayn zum Unesco-Welterbe. Neben einer mehrere hundert Gräber zählenden Nekropole sind acht monumentale Steingebäude, sogenannte Türme, dokumentiert. Die ersten Ausgrabungen in Bat wurden schon 1972 von einem dänischen Team unter der Leitung von Karen Frifelt durchgeführt. Frifelt untersuchte mehrere Gräber in der Nekropole sowie drei der monumentalen Steintürme (Turm 1145, Turm 1146 und Turm 1147). An einem Hang nördlich des Turms 1145 legte Frifelt zusätzlich einige schlecht erhaltene Überreste von Wohnhäusern frei. Nach längerer Unterbrechung setzten sich die archäologischen Arbeiten in Bat in den 2000er Jahren fort. Von 2004 bis 2008 fand ein archäologisches Forschungs- und Restaurierungsprojekt des Deutschen Bergbaumuseums Bochum unter der Leitung von Gerd Weisgerber statt. Darin wurden mehrere Gräber in der Nekropole ausgegraben und teilweise wiederaufgebaut. Von 2007 bis 2015 untersuchte ein zunächst amerikanisches Team unter der Leitung von Gregory Possehl, welches ab 2012 seine Aktivitäten als japanisch-amerikanisches Kooperationsprojekt unter der Leitung von Christopher Thornton, Charlotte Cable und Yasuhisa Kondo fortführte, verschiedene Türme in Bat. Zwischen 2010 und 2015 unternahm die Universität Tübingen unter der Leitung von Dr. Conrad Schmidt Ausgrabungen an zwei Gräbern mit zugehörigen Grabgruben in der Nekropole von Bat sowie am Gebäude II im Süden der Nekropole. Hauptziel des Forschungsvorhabens der Universität Tübingen in Bat war es, die Gründe und Ursachen der sozioökonomischen Veränderungen im 3. Jahrtausend v. Chr. auf der Omanischen Halbinsel am Beispiel von Bat zu untersuchen. Dafür wurden die Bestattungssitten und die baugeschichtliche Entwicklung ausgewählter Gräber und Grabgruben in der Nekropole von Bat sowie die funktionale und baugeschichtliche Entwicklung eines Monumentalgebäudes erforscht.


Grab 155

Die Nekropole von Bat besteht aus mehreren hundert Hafit (3100–2700 v. Chr.)- und Umm an-Nar-zeitlichen (2700–2000 v. Chr.) Gräbern. In ihrem Zentrum befindet sich ein Ensemble von drei gut erhaltenen Umm an-Nar-Gräbern mit den Nummern 154, 155 und 156. Das Grab 155 hat einen Außendurchmesser von 6,50 m und besteht aus zwei Grabkammern, die durch eine Innenmauer getrennt sind. Die Innenmauer reicht jedoch nur bis zu etwa zwei Drittel in den Raum hinein, sodass beide Grabkammern über einen gemeinsamen Eingang betreten werden können. Die Außenfassade bestand ursprünglich aus sorgfältig behauenen weißen Steinen, von welchen jedoch zum Zeitpunkt der Ausgrabungen in den Jahren 2012 und 2013 nur noch sechs Exemplare erhalten waren. Der Rest der Außenmauer besteht aus bräunlichen Bruchsteinen. Das Grab war bis zu einer Höhe von maximal 0,80 m erhalten. Seine Verfüllung bestand aus verstürzten Mauersteinen sowie feinem, vom Wind hineingetragenem Löss und endet auf einem aus Steinplatten verlegten Fußboden. Die Mehrheit der Funde lagen auf dem Steinfußboden. Dazu zählen Keramik mit schwarzer, geometrischer Bemalung auf rotem Untergrund, Chloritgefäße und Perlen, die in die Umm an-Nar-Zeit datieren. Bemerkenswert ist eine 7,6 cm lange, bikonische Karneolperle. Es handelt sich dabei eindeutig um einen Import aus der Indus-Region. Menschenknochen kamen mit einer Ausnahme nur vereinzelt und stark fragmentiert vor. Im Südteil des Grabes wurde entlang der Mittelmauer eine flache Grube mit einem vollständigen Skelett in Hockerlage vorgefunden. Als Grabbeigaben zu dieser Bestattung gehören mehrere Pfeilspitzen aus Eisen, welche eine Datierung der Bestattung in die Samad-Zeit (300 v. Chr. – 300 n. Chr.) erlauben.

Orthofoto der Gräber 154, 155 und 156 sowie der beiden Bestattungsgruben Inst. 0006 und 0025 in Bat nach den Ausgrabungen.

 

Die Karneolperle aus dem Grab 155 – ein Import aus der Indus-Region.


Grab 156

Das in den Jahren 2010 und 2011 untersuchte, Umm an-Nar-zeitliche (2700–2000 v. Chr.) Grab 156 liegt nordwestlich des Grabes 155. Das Grab hat einen Außendurchmesser von 8,10 m und besteht aus zwei halbkreisförmigen Kammern, Raum A und Raum B, die durch eine Mauer voneinander getrennt sind. Beide Kammern haben einen separaten Eingang. Der Raum A, die östliche der beiden Grabkammern, misst 5,40 m in der Länge und 2,30 m in der Breite. Raum B besitzt ähnliche Ausmaße. Die Verfüllung der Räume stand zu Beginn der Arbeiten bis zu maximal 2,10 m hoch an und setzte sich aus verstürzen Steinen der umliegenden Mauern sowie durch Wind hineingewehten Löss zusammen. Sie endet auf den Resten eines aus flachen Steinen bestehenden Fußbodens, welcher jedoch nur noch stellenweise erhalten war. In der Verfüllung fanden sich verstreut Funde verschiedenster Zeitstellung. Neben wenigen Funden aus der Umm an-Nar-Zeit, die besonders in Fußbodennähe angetroffen wurden, gehören dazu Perlen und Pfeilspitzen der Wadi-Suq-Zeit (2000–1600 v. Chr.), eisenzeitliche Keramik und Chloritgefäße (1200–600 v. Chr.), mehrere Pfeilspitzen aus Eisen, die der Samad-Periode (300 v. Chr. – 300 n. Chr.) zuzuordnen sind, sowie wenige Jahrzehnte alter Beduinenschmuck. Diese Funde belegen eine komplexe Nutzungsgeschichte des Grabes mit zahlreichen Phasen der Wiedernutzung durch die Jahrtausende hinweg (Projekt Nachnutzung von Gräbern).

Das Grab 156 von Osten mit dem Eingang in eine der beiden Grabkammern.


Bestattungsgrube Inst. 0006

Bei der Bestattungsgrube Inst. 0006 handelt es sich um eine ovale, flach abfallende Grube, welche sich südwestlich des Eingangs des Grabes 154 befindet. Knapp zwei Drittel der Grube wurden bereits 2007 und 2008 vom Deutschen Bergbaumuseum Bochum unter der Leitung von Gerd Weisgerber ausgenommen, der verbleibende Teil 2010 von der Universität Tübingen. Die in die Umm an-Nar-Zeit (2700–2000 v. Chr.) datierende Grube wurde in den natürlich anstehenden Boden eingetieft. Sie war mit feiner, brauner Erde verfüllt, in der zahlreiche, oftmals stark fragmentierte Menschenknochen, vollständige Keramikgefäße und Schmuck gefunden wurden. Die Menschenknochen lagen mehrheitlich nicht mehr im anatomischen Verband, was belegt, dass die Toten zunächst an einem anderen Ort bestattet waren und erst zu einem späteren Zeitpunkt in die Grube gelangt sind. Es wird angenommen, dass es sich bei dem Material aus der Bestattungsgrube Inst. 0006 um das Inventar eines der benachbarten Gräber, wahrscheinlich das Grab 154, handelt. Dies geschah möglicherweise, um im Grab selbst Platz für neue Bestattungen zu schaffen. Die in der Bestattungsgrube gefundene Keramik besteht größtenteils aus für die Umm an-Nar-Zeit typischer schwarz bemalter Keramik mit geometrischen Motiven. Es kamen jedoch auch Fragmente grauer, ritzverzierter Keramik zum Vorschein, die aus dem Ostiran oder Westpakistan in den Oman importiert wurde. Der Schmuck aus der Bestattungsgrube umfasst mehrheitlich Perlen unter anderem aus Lapislazuli und Karneol. Lapislazuli gelangte aus dem heutigen Afghanistan in den Oman, Karneol wahrscheinlich aus Gujarat im heutigen Indien. Somit belegen die Funde aus der Bestattungsgrube Inst. 0006 die weitreichenden Beziehungen des Oman zu seinen Nachbarländern im 3. Jahrtausend v. Chr..

Teile eines menschlichen Skeletts und vollständiges Keramikgefäß in der Bestattungsgrube Inst. 0006.


Bestattungsgrube Inst. 0025

Die 2012 untersuchte Bestattungsgrube Inst. 0025 befindet sich 80 cm östlich des östlichen Eingangs des Grabes 156. Sie ist annähernd oval und besitzt eine maximale Nord-Süd-Ausdehnung von ca. 3,70 m und eine maximale Ost-West-Ausdehnung von ca. 3,20 m. Sie ist bis zu 60 cm in den natürlich anstehenden, schwarzen Kies eingetieft. Die Verfüllung der Grube besteht aus feiner bräunlicher Erde. Vergleichbar zur Grube Inst. 0006 wurden hier zahlreiche, oft stark fragmentierte Menschenknochen, Keramikgefäße und Schmuck gefunden. Bei der Keramik handelt es sich mehrheitlich um typische Umm an-Nar-Keramik mit schwarzer Bemalung auf rotem Grund. Es wurde jedoch auch ein vollständiges Gefäß der aus dem Ostiran oder Westpakistan importierten, grauen, ritzverzierten Ware gefunden. Unter dem Schmuck sind besonders eine flache, rautenförmige Perle aus Silberblech hervorzuheben, welche Verbindungen in die Ägäis zeigt, sowie zwei Karneolperlen mit gebleichten Kreismustern aus der Indus-Region. Der mit Abstand bemerkenswerteste Fund aus der Bestattungsgrube Inst. 0025 ist jedoch ein Rollsiegel aus Chlorit. Es zeigt wahrscheinlich die schematische Darstellung zweier Tiere vor einem Pflug. Wie auch bei der Grube Inst. 0006 ist davon auszugehen, dass es sich bei dem Material aus der Grube Inst. 0025 um die aus einem benachbarten Grab umgelagerten Grabbeigaben samt Überresten der Verstorbenen handelt, die in die Grube umgebettet wurden, um im Grab selbst Platz für neue Bestattungen zu schaffen.

Vollständig erhaltenes, aus dem Iran importiertes Keramikgefäß der grauen, ritzverzierten Ware (links) und lokal hergestelltes Rollsiegel mit landwirtschaftlicher Szene (rechts).


Das Gebäude II

Das Gebäude II befindet sich südlich der Nekropole von Bat. Die Ausgrabungen fanden hier 2011 und von 2013 bis 2015 statt, nachdem bereits 2007 ein amerikanisches Team unter der Leitung von Gregory Possehl erste Untersuchungen durchgeführt hatte. Die Außenmauer des Gebäudes II formt ein unregelmäßiges Oval mit einem Durchmesser von ca. 30 m. Sie ist aus unbearbeiteten Steinen errichtet und bis zu 1,50 m hoch erhalten. Holzkohle aus dem Fundamentgraben der Mauer datiert an das Ende der Hafit oder an den Beginn der Umm an-Nar-Zeit um 2800–2700 v. Chr.. Außerhalb des Gebäudes II konnten mehrere umlaufende Gräben festgestellt werden, die nacheinander bestanden. Sie sind maximal 6 m breit, mehr als 3 m tief und sind mit harter, brauner Erde gefüllt, die sich in horizontalen Schichten abgelagert hat. Die genaue Funktion der Gräben ist bislang noch unklar. Die erste Nutzungsphase des Gebäudes II endet mit einer 45–50 cm dicken Schicht homogener, brauner Erde, die einen Hiatus markiert. In die Auflassungsschicht wurden wahrscheinlich noch in der Umm an-Nar-Zeit zahlreiche Gruben innerhalb und außerhalb des Gebäudes eingetieft. Diese waren mit Steinen gefüllt und förderten zahlreiche Funde zu Tage, darunter Keramikscherben, Kupferobjekte, Mahlsteinfragmente, Steingeräte, Muscheln und Perlen.

Orthofoto des Gebäudes II.


Geophysikalische Prospektion

Im Jahr 2014 wurden in der Nekropole von Bat geophysikalische Prospektionen von der Firma GGH Solutions sowohl mit einem Magnetometer als auch, in ausgewählten Bereichen, mit einem Bodenradar durchgeführt. Anhand dieser Prospektionen konnten in der Nekropole von Bat 14 weitere vermutliche Bestattungsgruben im Umfeld der Gräber detektiert werden. Die Ergebnisse zeigen auch, dass die Bestattungsgruben nur im Zusammenhang mit Umm an-Nar-zeitlichen (2700–2000 v. Chr.) Gräbern vorkommen und niemals bei Hafit-zeitlichen (3100–2700 v. Chr.). In der Regel gehört nur eine Grube zu einem Grab, nur in einem Fall konnten zwei Gruben nachgewiesen werden. Diese Untersuchungen bieten einen wichtigen Aufschluss über das Gesamtbild der Bestattungssitten in der Nekropole von Bat.

Orthofoto und Ergebnis der geophysikalischen Prospektion in der Nekropole von Bat (Stefan Giese und Christian Hübner, GGH Solutions).