Das Verbundprojekt UmWeltWandel

„Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geliehen.“ Umweltveränderungen und Lebensweise im Zentraloman im 3. und 2. Jahrtausend v. Chr.

Die arabische Halbinsel ist archäologisch erst wenig erforscht. Obwohl sie zu den trockensten Regionen der Welt gehört, gab es im östlichen Teil, der heute hauptsächlich vom Sultanat Oman eingenommen wird, bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. eine kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit. Wie es den Menschen damals gelungen ist, sich an die marginale Umwelt anzupassen, ist aber bislang nicht bekannt. Insbesondere fehlt eine präzise chronologische Differenzierung der Umweltveränderungen im Zentraloman, vor allem in Bezug auf die Verfügbarkeit von Wasser und die Vegetationsdynamik. Damit ließen sich Zusammenhänge zwischen der Lebensweise der Menschen, der Subsistenz sowie fehlgeschlagenen oder erfolgreichen Nachhaltigkeitsstrategien auf der einen und der fragilen Umwelt auf der anderen Seite herstellen.

Im Verlauf dieses neuen, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit dem 1. November 2020 im Rahmen seiner Förderrichtlinie „Kleine Fächer – Zusammen stark“ geförderten Verbundprojektes, an dem neben Tübingen Projektpartner in Mainz, Frankfurt und Göttingen beteiligt sind, werden vier Jahre lang mittels verschiedener naturwissenschaftlicher und archäologischer Methoden die Umweltveränderungen und die Lebensweise der Menschen im Zentraloman im 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. untersucht. Dabei sollen umfassende Daten zu den Umweltbedingungen erhoben und ausgewertet sowie mit bekannten historischen Ereignissen dieser bedeutenden Epoche verknüpft werden. Zum Multiproxy-Ansatz des Projektes zählen die Analyse von Phytolithen, Pollenkörnern, Samen und Holzkohle zur Bestimmung der Pflanzenwelt, die Untersuchung von Schneckengehäusen, was Rückschlüsse auf saisonale Niederschlagsveränderungen und Temperaturen zulässt, sowie geomorphologische Analysen, die die Entwicklung von Umweltressourcen, besonders Wasser, und die Anpassung der Gesellschaft darauf erarbeitet. Auch der Eingriff des Menschen in das Ökosystem und damit die Interaktion zwischen ihm und seiner Umwelt spielt eine wichtige Rolle. Als Ergebnisse des Verbundprojektes werden sich innovative Einsichten in die bronzezeitliche Landschaft und wertvolle Erkenntnisse über Nachhaltigkeitsstrategien der Menschen im Zentraloman versprochen. Durch dieses Wissen sollen insbesondere die Ursachen und Zusammenhänge zwischen verschiedenen Lebens- und Subsistenzformen einerseits und den Umweltbedingungen in der Region andererseits nachvollzogen werden.

Das Projekt richtet sich nicht nur an das Fachpublikum, sondern auch an die Öffentlichkeit. Auf dieser Projektwebseite werden fortwährend Bildmaterial und Texte über die gewonnenen Ergebnisse zusammengestellt, die auch für Nicht-Fachleute verständlich sind. Zudem gibt das Projekt Denkanstöße zu den aktuellen Debatten Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit und möchte auf diese Weise zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Situation von heute anregen. In diesem Zusammenhang soll auch die Rolle von mobilen Gruppen in semiariden Regionen der Welt thematisiert werden, die häufig unter Unterdrückung leiden, aber über ein wertvolles, über viele Jahrtausende hinweg gesammeltes Wissen zum Umgang mit knappen, lebensnotwenigen Ressourcen und sich ändernden Umweltbedingungen verfügen.