Der Fundort Sinaw

Sinaw-Al Mutayla

Der Fundort liegt in der Region Schamal Al-Scharqiya, am nördlichen Rand der modernen Stadt Sinaw und 2 km südöstlich des Dorfes Al-Mutayla. Er befindet sich auf einem 350 m langen, 80 m breiten und bis zu 2 m hohem natürlichen Hügel aus porösem Calcrete. Ähnliche Erhebungen in der näheren Umgebung scheinen mit Ausnahme einiger weniger Gräber unbebaut zu sein. Unmittelbar östlich der Siedlung befindet sich der Hauptarm des Wadi Samad, westlich eine etwa 10 m hohe Terrasse mit mindestens 37 eisenzeitlich nachgenutzten Hafit-Gräbern und dahinter das Wadi Andam. Südlich werden die Siedlung und das Wadi Samad von einer 2017 errichteten Umgehungsstraße von Sinaw gestört, was vor allem den südlichen Teil des Fundplatzes in Mitleidenschaft gezogen hat. Hier könnten sich einst Gärten und anderweitig landwirtschaftlich genutzte Flächen befunden haben, die nun zerstört oder überbaut sind.

Sinaw-Al Mutayla aus der Luft.


Vorarbeiten

Im Rahmen des Al-Mudhaybi Regional Surveys unter der Leitung von Stephanie Döpper (Goethe-Universität Frankfurt) wurde 2020 ein Teil der an der Oberfläche der Siedlung befindlichen Keramik aufgelesen und analysiert. Die Auswertung der Keramik zeigte, dass sie ausschließlich eisenzeitlich datiert, wobei der weitaus größte Teil der Eisenzeit II-Stufe (1100–600 v. Chr.) zuzuordnen ist.

2022 bis 2024 führte Conrad Schmidt (Universität Tübingen) Befliegungen sowie eine geophysikalische Prospektion durch. Letztere umfasste den gesamten Hügel sowie den südlich angrenzenden Teil der Ebene. Sie erbrachte den Nachweis zahlreicher Feuerstellen sowie die Bestätigung der Existenz zweier quadratischer Gebäude und zweier nicht näher bestimmbarer Strukturen, darunter eine sechseckige Umfassungsmauer, die eine ca. 1.600 m² große Freifläche einschließt. Durch die Befliegungen wurden die vier Gebäude beziehungsweise baulichen Strukturen genauer erfasst. Bei den beiden quadratischen Gebäuden handelt es sich um bis zu 30 x 30 m große Steinbauten, die vergleichsweise gut erhalten sind. Eines besitzt einen Brunnen. Aus dem Höhenmodell (DEM) treten die Mauern der Gebäude deutlich hervor.

Höhenmodel mit Lage der vier großen Gebäude.

2025 fanden erste archäologische Ausgrabungen in Sinaw statt. Dabei wurden drei 10 x 10 m große Areale in Gebäude I, im Norden der Siedlung, näher untersucht. Neben Eisenzeit II-Keramik und einer sehr großen Anzahl an Tierknochen wurden mehrere Feuerstellen, eine mit Asche gefüllte Grube, eine halbrunde Installation aus Stein sowie ein großer Zugang zu dem hexagonalen Bauwerk entdeckt. Ein weiterer Testschnitt wurde südlich des Hügels mit den drei großen Gebäuden angelegt. Dabei trat unter der heutigen Oberfläche eine massive Brandschicht, verbunden mit mehreren bis zu 70 cm hoch erhaltenen Mauern aus Stein, zutage, die als Gebäude IV bezeichnet werden. Große Mengen an Holzkohle und Installationen aus organischen Materialien sowie eine Vielzahl an Eisenzeit II-Keramik konnten bei den Ausgrabungen geborgen werden.

Gesamtplan des Gebäudes I.

Brandschicht in Gebäude IV.

Gebäude IV mit zahlreichen Mauern aus Stein.


Ausgrabungen

Seit 2026 finden in Sinaw im Rahmen des DFG-Projektes „An den Rändern der Eisenzeit Südostarabiens“ intensive archäologische Ausgrabungen durch ein Team der Universität Tübingen unter der Leitung von Conrad Schmidt statt. Dabei sollen die subsistenzwirtschaftlichen Grundlagen sowie andere Merkmale der Frühen Eisenzeit in Zentraloman untersucht und mit Fundorten im Norden verglichen werden. Ziel des auf drei Jahre ausgelegten Forschungsprojektes ist es nachzuverfolgen, wie sich die Gesellschaft an ihre Umwelt anpasste, die Verfügbarkeit von natürlichen Ressourcen und anthropogene Umweltveränderungen näher zu beleuchten sowie eine gemeinsame Chronologie für die Region Südostarabien zu erarbeiten. Begleitet werden die archäologischen Arbeiten von archäobotanischen, archäozoologischen und petrographischen Analysen. Später sind auch bodenkundliche Untersuchungen im unmittelbaren Umfeld der Siedlung geplant, wo Gärten mit Bewässerungssystemen vermutet werden.